Gewalt gegen Einsatzkräfte

Der folgende Text wurde als Kurzvortrag bei der Delegiertenversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Osterholz am 28.02.2020 in Meyenburg gehalten. Bei Bedarf kann das PSNV-E-Team gerne zu einem Dienstunterricht auch zu diesem Thema eingeladen werden.

Was passiert?

Betroffene oder eigentlich Unbeteiligte

  • behindern Einsätze (z.B. keine Rettungsgasse bilden und Straßensperren missachten),
  • filmen Einsätze und stellen sie ins Netz,
  • mischen sich ein,
  • sind respektlos und beleidigen die Einsatzkräfte,
  • nötigen und bedrohen die Einsatzkräfte
  • oder greifen sie sogar an

Dabei kommt es zu:

  • verbaler Gewalt (Beschimpfungen, Beleidigungen, Bedrohungen …),
  • gewalttätigen Gesten („Mittelfinger“, „Kopfschuss“, „Hals abschneiden“ …) und
  • körperlicher Gewalt (Schubsen, Schlagen, Treten, Anspucken, Kratzen, Würgen, Beißen, Einsatz von Gegenständen und Waffen …).

Gewalt ohne Konflikt

Nicht nur der Respekt für Einsatzkräfte (Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr) sinkt, vor allem sinkt der Respekt zwischen den Menschen allgemein. Die Folge ist, dass Gewaltbereitschaft und tatsächliche Gewalt in unserer Gesellschaft zunehmen:

  • Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr,
  • Steuerbetrug,
  • Gewaltinszenierungen in Filmen und Computerspielen,
  • Eskalierende gewalttätige Auseinandersetzungen mit Tritten gegen den Kopf,
  • Häusliche Gewalt / Gewalt gegen Frauen,
  • Verschwörungstheorien,
  • Rechtsradikale Ausgrenzungen, rassistischer Hass und Terror,
  • Etc.

Der Kern der Sache ist, dass dem meistens kein tatsächlicher Konflikt vorausgeht. Vielmehr ist diese Gewalt die Folge entweder geistiger oder sozialer Armut!

Noch ist das für die Feuerwehren kein ausdrückliches Problem, wir müssen aber davon auszugehen, dass es das in Zukunft wird. Nur ein pragmatischer Umgang damit wird dann nicht ausreichen. Vielmehr sind wir als Feuerwehr Teil der Gesellschaft und damit Teil dieses gesellschaftlichen Problems.

Ein Risiko für uns

Gewalt zu erleben, aber auch sich damit zu beschäftigen, macht erst einmal hilf- und ratlos. Denn wir wollen helfen, wenn wir stattdessen bedroht und gefährdet werden, ist das pervers:

  • Gewalt zu erleben, ist ein körperliches und ein seelisches Traumatisierungsrisiko.
  • Gewalt zu erleben oder Gewalt zu befürchten, kann zu Ängsten und dann auch zu Widerwillen vor Einsätzen führen.

Was können wir unmittelbar tun?

Aufmerksam werden in den konkreten Situationen:

  • Was kann im Einsatz gefährlich werden?
  • Wer sind potentielle Täter?
  • Was hilft – was hilft aber auch nicht?
  • Wie gehen wir mit erlebter Gewalt um?

Aber auch aufmerksam werden innerhalb der Feuerwehren:

  • Wie gehen wir miteinander um?
  • Was sind unsere Werte?

Ein gesellschaftliches Problem

Gewalt gegen Einsatzkräfte ist vor allem Gewalt ohne Konflikt und damit das gleiche Phänomen wie der neue Rechtsradikalismus mit seiner geistigen und sozialen Armut (und dazu gehört auch und vor allem die sogenannte „Alternative für Deutschland“!).

Deshalb ist Gewalt gegen Einsatzkräfte nicht nur ein Ausbildungs-, sondern vor allem ein Bildungsthema! Denn der Staat, in dem wir leben, ist die Gesellschaft, die wir bilden, und das heißt, es geht um Zusammenhänge und Grenzen, die wiederum erlebt und ausgehalten, die eingehalten und gestaltet werden wollen.

Schreibe einen Kommentar